Kurzbeschreibung der Studienergebnisse
 

Der Förderverein der FKVV hat den Text einer Kurzfassung der Studienergebnisse der Wirtschaftlichkeitsanalyse 1999 und der Gesamtkonzeption 2000 des geplanten Kraftfahrzeug-Technologiezentrum (Kfz-TZ) von der Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH des Landkreises Teltow-Fläming (SWFG) überlassen bekommen. Erstellt hat diese Studien im Auftrag der SWFG das Beratungsunternehmen Deloitte Consulting/OrgaTreu aus Düsseldorf. Das zu errichtende Kraftfahrzeug-Technologiezentrum (Kfz-TZ) soll aus Prüfeinrichtungen in Hallen, Fahrzeugboxen, Werkstätten und Servicegebäuden (Bauinvestition etwa 40 Millionen DM) und aus der Verkehrsversuchsanlage und ihren Modulen (Bauinvestition etwa 159 Millionen DM) bestehen. Die gesamte Anlage soll im Land Brandenburg, als firmenoffene und privatwirtschaftlich betriebene Versuchsanlage, ca. 50 km südlich von Berlin in der Nähe zu den Ortschaften Kummersdorf Gut und Horstwalde errichtet werden.
 

1. Ergebnisse der Wirtschaftlichkeitsanalyse 1999

Das Beratungsunternehmen Deloitte Consulting/OrgaTreu hat im Auftrag der Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH des Landkreises Teltow-Fläming in der Zeit vom 08.02. bis 30.06.1999 eine Wirtschaftlichkeitsstudie für das in Horstwalde/Land Brandenburg zu errichtende Kraftfahrzeug-Technologiezentrum (Kfz-TZ) erstellt. Gegenstand der Untersuchung war der Betrieb der Testmodule, Prüfeinrichtungen und Fahrzeugboxen. Das Anlagenlayout sowie die Einzelmodule wurden 1994 von der Entwicklungsgesellschaft für Kraftfahrzeugtechnik Ludwigsfelde mbH identifiziert und technisch spezifiziert.

Die Ergebnisse der Wirtschaftlichkeitsstudie beziehen sich auf die im folgenden beschriebenen Themenbereiche.

Entwicklung des zukünftigen Testbedarfs in Deutschland

Die in der Automobilindustrie vorherrschenden Trends führen in ihrer Summe dazu, daß in der absehbaren Zukunft mit einem Anstieg der Nachfrage nach Teststunden auf Automobilprüfstrecken in Deutschland und Europa zu rechnen ist. Einige wesentliche Trends sind die

Marktanalyse

Die Marktanalyse unterteilt sich in zwei Teile: Wettbewerbs- und Kundenanalyse.

Im Rahmen der Wettbewerbsanalyse wurden 63 Testanlagen weltweit identifiziert und mittels der Kriterien Geographie, Testspektrum, Datenbasis und Nutzung gefiltert. Die Analyse der 29 relevanten Testanlagen zeigt unter anderem, daß das Kfz-TZ bei einer Auslegung und Auslastung analog vergleichbarer Anlagen in Europa eine Leistungsmenge von 158-225 Tausend Teststunden pro Jahr realisieren kann. Somit erreicht der Testbetrieb auf dem untersuchten europäischen Gesamtmarkt einen Marktanteil von 6%.

Die Kundenanalyse brachte sowohl an der Nutzung des Kfz-TZ interessierte Testbetriebe zutage, als auch Erkenntnisse über die technische Ausgestaltung und das zu erwartende Nutzungsvolumen auf der Ebene der Testmodule. So ergab sich bei optimistischer Betrachtung eine Nachfrage in Höhe von 123 Tausend Teststunden - im Worst Case entsprechend 97 Tausend Teststunden.

Kostenbetrachtung

Die Kosten der Testanlage setzen sich aus Investitions- und Betriebskosten zusammen. Bei den Investitionskosten ist mit einer Gesamtsumme von 159 Mio. DM zu rechnen. Die voraussichtlichen Betriebskosten betragen 10 Mio. DM pro Jahr. Auf Selbstkostenbasis und unter Berücksichtigung einer 70% igen Subvention können alle wichtigen Module mit Ausnahme der Meßstrecke zu Marktpreisen angeboten werden.

Wirtschaftlichkeitsbetrachtung

Im Rahmen einer Amortisationsrechnung wird festgestellt, daß sich der Testbetrieb auf dem Kfz-TZ Horstwalde bei optimistischer Sicht (Best Case) in 6,7 Jahren und bei pessimistischer Sicht (Worst Case) in 11,3 Jahren amortisiert. Auch eine Variation der Auslastungszahlen zeigt, daß ein wirtschaftlicher Betrieb der Anlage möglich ist. Selbst bei einer Auslastung von nur 15% amortisiert sich die Anlage in ca. 16 Jahren.

Als Gesamtergebnis wird festgehalten, daß das Kfz-TZ Horstwalde aufgrund der vorliegenden Daten und vorsichtigen Annahmen wirtschaftlich betrieben werden kann. Hierbei sind einige Empfehlungen zu beachten, wie der sukzessive Aufbau von Testmodulen in Reihenfolge der Notwendigkeit und Ertragserwartung oder die strikte Ausrichtung bei der Planung und Erstellung der Prüfeinrichtungen auf die Kundenanforderungen.

Exkurs: Organisation

Die Diskussion unterschiedlicher Organisationsformen führte zu der Empfehlung der Bildung einer Doppelgesellschaft in Form einer Besitz- und einer Betriebsgesellschaft. Die betrieblichen Aufgaben und das Risiko liegen bei der Betriebsgesellschaft, das Anlagevermögen - Grundstück, Gebäude etc. - sind indes im Eigentum der Besitzgesellschaft. Vertraglich wird die Betriebsverantwortung sowie die Verpachtung der Anlagen zwischen beiden Gesellschaften geregelt. Die Besitzgesellschaft finanziert sich bis zu 70% über die GA-Fördermittel. Um eine maximale Förderhöhe zu erreichen, ist der Gesellschaftervertrag so zu gestalten, daß die Besitz- einen ausreichenden und nachweisbaren Einfluß auf die Betriebsgesellschaft hat.
 
 

2. Ergebnisse der Gesamtkonzeption 2000

Deloitte Consulting/Orga Treu erstellte in dem Zeitraum vom 04.02. bis 14.06.2000 im Auftrag der Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises Teltow-Fläming (SWFG) eine Gesamtkonzeption über das Kraftfahrzeug-Technologiezentrum Horstwalde. Das Konzept verfolgt das Ziel, einen rentablen Geschäftsbetrieb des gesamten Technologiezentrums - also für die Testanlagen und Prüfeinrichtungen wie für die Büros, Werkstätten und sonstigen Nutzflächen - sicherzustellen.

Bei der Erstellung der Studie war die Einbeziehung möglichst aller für das Kfz-TZ Horstwalde relevanten Interessengruppen (Mieter, Einlieger, Gesellschafter, Betreiber, Wissenschaft etc.) von besonderer Bedeutung. Entsprechend wurde neben zahlreichen Interviews und Expertenbefragungen ein spezieller Strategie-Workshop durchgeführt.

Die Ergebnisse der Gesamtkonzeption sind in sieben Teilen zusammengefaßt, die im folgenden kurz dargestellt werden.

Betriebskonzept

Das Betriebskonzept umfaßt neben den Zielen der Mieter und des Betreibers auch die regionalen Zielsetzungen. Aus diesen abgeleitet und unter Berücksichtigung der Best Practices liegt die optimale strategische Positionierung des Kfz-TZ Horstwalde im Markt einerseits bei einem mittleren Leistungsumfang, d.h. neben der Bereitstellung auch die Unterstützung bei der Durchführung von Tests und Aktivitäten. Andererseits empfiehlt sich neben des Vorhaltens von Basis- eine Fokussierung auf Zusatzdienste. Diese nehmen aus Sicht der befragten Experten in Zukunft an Bedeutung zu, da die Testfirmen aus wirtschaftlichen Aspekten immer mehr zum Outsourcing von Testaktivitäten tendieren. Die einzelnen Dienste und Services sind in einem Produktprogramms nach Art und Umfang zusammengestellt. Besonders im Rahmen der Anlaufphase ist der Aufbau des Kfz-TZ nicht in vollem Umfang, sondern modular an die Nachfrageentwicklung anzupassen

Organisations- und Personalkonzept

Im Organisationskonzept werden unter Berücksichtigung bestehender Testzentren die Kernprozesse "Vermietung von Fläche" und "Vermietung von Modulen" beschrieben und die für das Kfz-TZ anzustrebende Aufbauorganisation vorgeschlagen, die sich in einen technischen und einen kaufmännisch/administrativen Bereich aufteilt. Im Personalkonzept werden die sich aus dem Organisationskonzept ergebenden Stellen beschrieben (Tätigkeit, Qualifikation, Kenntnisse und Stärken) und die Grundlinien der Personalplanung festgelegt.

IT-Konzept

In enger Verbindung zum Organisationskonzept steht das IT-Konzept. Es beinhaltet die sich aus dem organisatorischen Aufbau ergebenden Anforderungen an die Datenverarbeitung. Es sind die Kriterien für die Auswahl der die Kernprozesse unterstützenden (Verkauf/Debitoren, Marketing, Sicherheit/Zeitwirtschaft) und im administrativen Bereich erforderlichen Softwaremodule (Finanzbuchhaltung, Kostenrechnung, Personalwesen, Office Lösung) vorgegeben. Weitere Anforderungen ergeben sich aus der dargestellten Hardwareausrüstung und den erforderlichen Medienanschlüssen für Datenkommunikation, Telekommunikation und Netzwerk.

Marketingkonzept

Das Konzept gibt die Marketinginstrumente für den Test- und Zentrumsbetrieb der Gesamtanlage vor und legt gleichzeitig einen Zeit- und Maßnahmenplan für die drei Bauabschnitte und die Folgejahre mit dem Ziel der Akquisition von Testfirmen, Mietern und Kooperationspartnern fest. Grundlage für die Ableitung von Empfehlungen sind die Definition und Festlegung von Zielgruppen sowie die Untersuchung der Marketingaktivitäten von relevanten Wettbewerbern, wie etwa IDIADA, MIRA und MILLBROOK.

Gesellschaftskonzept

Das Gesellschaftskonzept legt die optimale Gesellschafterstruktur, die Form der Betreibergesellschaft und die Zusammensetzung ihrer Gremien auf einer hohen Ebene fest. Zur Identifizierung der geeigneten Gesellschaftsmodelle werden acht Determinanten bestimmt, die möglichst vollständig die wichtigsten Dimensionen - Effektivität, Effizienz, Finanzierung, Nachhaltigkeit, Wettbewerb, Zivilrecht, Steuerrecht und Bewertung - bei der Auswahlentscheidung beschreiben und zueinander in Beziehung setzen. Das Gesellschaftsmodell sieht die vertragliche Verbindung der Besitzgesellschaft, an der die SWFG zu 100% beteiligt ist, mit der Betreiber-gesellschaft vor - mit einer 25% igen Beteiligung der SWFG und einem Anteil von ca. 70% aus der Privatwirtschaft.

Bewirtschaftungskonzept

Im Bewirtschaftungskonzept wird festgelegt, welche Ressourcen zu welchen Konditionen zur Realisierung des Produktprogramms eingesetzt werden. Hieraus ergibt sich unmittelbar die Planung der Aus- und Einzahlungen für das Kfz-TZ Horstwalde in der Anlauf- und Betriebsphase. So entwickeln sich die Einzahlungen entsprechend der modularen Erweiterung des Zentrums von 5,7 Mio. DM im ersten auf 15,8 Mio. DM im zehnten Jahr. Die Auszahlungen werden im wesentlichen aus den Investitionen im ersten Jahr bestimmt (140,0 Mio. DM), wohingegen die jährlichen Betriebskosten bei ca. 4,0 Mio. DM liegen.

Finanzkonzept

Im Finanzkonzept werden die für die im Betriebskonzept festgelegten Produkte erforderlichen Investitionskosten und Finanzierungsmöglichkeiten sowie die sich aus dem Bewirtschaftungskonzept ergebenden Zahlungsströme in Form eines Finanz- und Liquiditätsplans dargestellt - unterschieden nach Besitz- und Betriebsgesellschaft. Die zwischen beiden Gesellschaften vereinbarte Pacht müßte zur Deckung des Kapitaldienstes in den ersten vier Jahren 8,2 Mio. DM und ab dem fünften Jahr 9,6 Mio. DM betragen.


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